This series is about a refugee camp near to Kurdish-dominated city Diyarbakır which is run entirely by Kurdish
leftists in cooperation with the local government, hosting only Yazidi refugees from Iraq.

Etwa 2,5 Millionen Flüchtlinge halten sich derzeit in der Türkei auf, hatte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kürzlich stolz erzählt, als er sich mit Angela Merkel traf. Diese war erneut angereist, um den schmutzigen Deal mit Ankara zu festigen, der besagt: Milliardenhilfen und freie Hand beim blutigen Massaker an den Kurden in der Südost-Türkei gegen die Zusage, dass die AKP-Regierung möglichst viele Syrer und Iraker davon abhält, nach Europa zu gelangen. Das Abkommen ignoriert allerdings, wie die Geflüchteten in der Türkei zu leben haben: Verbriefte Rechte haben sie kaum, Massenlager oder Obdachlosigkeit sind der Normalzustand.

Kaum 30 Minuten von der Kurdenmetropole Diyarbakir entfernt existiert allerdings ein Flüchtlingslager, dass sich von der Flüchtlingspolitik des türkischen Staates positiv abhebt. Das Sindschar-Camp, in dem ausschließlich Angehörige der jesidischen Religionsgemeinschaft aus dem Irak unterkommen, wird von linken kurdischen Aktivisten in Zusammenarbeit mit der örtlichen Stadtverwaltung – ohne jede Unterstützung aus Ankara – betrieben. “Sicher, es ist ein Camp und Camps sind nie die Orte, an denen man leben will. Aber wir tun, was wir können”, sagt uns die Helferin Muzzeyin. Zwei Schulen für Kinder, eine Medizinstation, mehrere Fußball- und Basketballfelder sowie ein Frauenhaus gehören zur Ausstattung auf dem Gelände. Alle können kommen und gehen, wann sie wollen, sie bekommen Essen und Basisversorgung finanziert sowie einen kleinen Betrag für eigene Einkäufe.

Die Helfer machen keinen Hehl daraus: “Wir wollen, dass die Menschen hier bleiben”, erzählt einer. Das allerdings gestaltet sich schwierig. Denn die Mehrheit der Familien hier sind schwer traumatisiert. Milizionäre des Islamischen Staates (IS) haben ihre Frauen entführt und vergewaltigt, ihre Söhne, Brüder und Väter ermordet. “Wir wollen nach Europa”, hören wir immer wieder. Denn dort erhofft man sich Sicherheit vor sunnitischen Fundamentalisten – und vor der türkischen Regierung, die in Hörweite des Camps Bomben auf kurdische Viertel abwirft.

Text von Peter Schaber.

This reportage was published in Junge Welt.